Mein Achtelfinale

Es gibt viele Fotografen da draußen, die in einem die Lust erwecken, einfach mal loszuziehen und fremde Menschen zu fotografieren. Auch mich reizt es, solch aussagekräftige Portraits zu erwischen. Da wollte ich am gestrigen Sonntag, dem Tag des Sieg der deutschen Mannschaft über die englischen Kicker, die aufgeheizten Stimmung nutzen, selbige einzufangen und gleichzeitig auch direkt Leute anzusprechen und um ein Foto bitten.

Also bin ich vor dem Spiel in das Hamburger Schanzenviertel gefahren, um es einfach mal zu wagen. Leider stellte sich heraus, dass das Ansprechen von fremden Leuten doch schwieriger ist, als ich es mir vorgestellt hatte. Zum einen wollte ich vermeiden, den prallen Sonnenschein im Gesicht der Leute zu haben, also hatte ich mein Augenmerk auf diejenigen gesetzt, die sich sowieso schon im Schatten befanden. Menschen, die sich im Gespräch befanden, wollte ich aber nicht stören und fast alle anderen waren schon fast hektisch auf dem Weg, doch noch irgendwo einen Platz zu finden, um das Spiel zu sehen, da nur noch 30 Minuten bis zum Anstoß verblieben.

Die Situation, doch jemanden anzusprechen, ergab sich nur ein einziges Mal. Ein sympatisch aussehender Herr mit Strohhut saß auf einer kleinen Mauer unter einem Sonnenschirm und schien da auch gerade alleine zu sein. Ich ging auf ihn zu und begann spontan: “Hallo, darf ich vielleicht ein Foto von Ihnen machen?” Auf seinen etwas fragenden Blick hin ergänzte ich: “Ich versuche ein wenig die WM-Stimmung einzufangen und Sie sehen mit Ihrem Hut sehr passend dafür aus.” Er lachte mich fröhlich an, gab mir aber auch kein direktes “Ja”. Leicht verunsichert hob ich dann einfach die Kamera und machte 2 Aufnahmen. Ihm gefielen die Fotos und so zog ich dann weiter, zwar glücklich, es das erste Mal gewagt  zu haben, aber dennoch mit einem seltsamen Gefühl, weil ich mir in der Situation nicht souverän genug vorkam.

Meine Kamera hatte ich auf Zeitautomatik gestellt. Mit Blende 3,2 und ISO 100 war ich glücklich und in der Situation wagte ich noch nicht den manuellen Modus, da ich mich auf das Gespräch konzentrieren wollte ohne an das Technische denken zu müssen. Um den Anstoß selbst nicht zu verpassen, setzte ich mich dann in die Bahn, dabei aber unzufrieden mit meinen Ergebnissen.

Noch während der Fahrt kam mir aber die Idee, im Fall eines deutschen Sieges erneut loszuziehen und vielleicht von der ausgelassende Siegesstimmung zu profitieren. Zum Glück kam es so, und auch wenn mir im Nachhinein mein allererstes Porträt am besten gefällt, hatte ich nach dem Spiel noch ein paar tolle Gelegenheiten, die Freude der Fans einzufangen. Eine Bierdusche habe ich dabei aber auch abbekommen. Das musste anscheinend sein. 🙂

Wie sieht es bei euch aus: Habt ihr schon einmal fremde Menschen fotografiert? Wie würdet ihr an die Leute herantreten?

Vorher aber noch ein paar Bilder von gestern.