Apollo 11

Etwas hin und hergerissen stand ich auf dem Winterhuder Flohmarkt und liebäugelte mit einer vergilbten Sonderbeilage des Hamburger Abendblatt aus dem Jahr 1969. Das Risiko eingehend, dass es bei mir in der Wohnung nur herumliegen würde, habe ich es tatsächlich mitgenommen. Zum Glück.

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Auf knapp 20 Doppelseiten wird über Apollo 11 — die Mission der Mondladung — berichtet. Das Spannende sind dabei nicht nur die eigentliche Geschichte oder die großen Originalfotos, sondern wie das Ereignis vor knapp 50 Jahren beschrieben und empfunden wurde. Insgesamt liest sich die Reportage sehr euphorisch. Dieser Schritt sollte nur der erste sein zur weiteren Erkundung und vielleicht Bevölkerung unseres Sonnensystems. Viele der Einschätzungen haben sich nicht bewahrheitet. Ein paar Sachen sind mir besonders aufgefallen, die ich hier mal aufschreibe.

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“In zwei bis drei Jahren werden 50 Menschen den Mond betreten haben”. Die Mondlandung wurde als Startschuss aufgefasst. Tatsächlich haben insgesamt nur 12 Menschen jemals den Mond betreten, der letzte im Jahre 1972. Mal schauen ob das so bleiben wird, China plant aktuell eine weitere bemannte Mondmission. Aber bisher war es in den letzten 45 Jahren sehr ruhig da oben.

Vermutung von Permafrost und großen Eisvorkommen auf dem Mond. Nope, war nicht der Fall. Allgemein gab es noch sehr viele unerforschte Mutmaßungen über den Mond und seine Beschaffenheit. Viele Mysterien sind seitdem relativ nüchtern aufgeklärt worden. Trotzdem bin ich überrascht, wie viel unbekannte Phänomene es immer noch gibt. Mysteriöse Lichter, die ungeklärte Verteilung der Mondbeben, so Zeug halt.

Mysteriöser verschwundener Krater deutet auf Veränderungen der Mondoberfläche hin. Was genau da los war, verstehe ich nicht. Der Mondkrater Linée war Anfang des 19. Jahrhunderts entdeckt worden, galt danach aber als verschwunden. Offensichtlich hat man ihn aber einfach nicht mehr vernünftig beobachtet, denn 1967 haben die ersten Mondsonden gute Fotos des Kraters gemacht. Trotzdem spricht der Bericht von 1969 davon, dass das Rätsel ungelöst sei. Da haben die Redakteure vielleicht nicht ordentlich recherchiert. Achja, Zeiten vor Wikipedia…

Wernherr von Braun. Der ehemalige Naziraketenbauer wird immer mal wieder erwähnt. Kein Wunder, er hatte viel zu sagen im Raketenprogramm der NASA. Ohne ihn hätten die USA das wahrscheinlich nicht geschafft, oder zumindest nicht so schnell. Trotzdem gibt es in den Texten keinen einzigen Hinweis auf seine Vergangenheit im zweiten Weltkrieg. Heutzutage hätte er in der gleichen Broschüre garantiert eine kleine bis große Infobox bekommen. Damals nicht. Entweder wollte man sich damit nicht auseinander setzen, hat sich bewusst entschieden, dass das Thema der Berichte nur die Mondlandung an sich sei, oder Journalismus funktionierte damals noch anders.

Bottom line: Spannendes Zeug. Space ist geil. Damals wie heute.

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