Der Vorteil des Spiegels

Neulich war ich bei Bennys Geburtstagsfeier. Natürlich hatte ich (nicht als einziger) meine Kamera dabei, die dann auch die Runde gemacht hat. Dabei sind wir auf die Diskussion gekommen, welchen Vorteil DSLRs überhaupt gegenüber anderen Kameras bieten.

Die Vorteile gegenüber Kompaktkameras waren schnell geklärt, so dass wir dann zur Kernfrage gelangten: Welchen Vorteil bietet der Spiegel, der diese Produktkategorie ja schließlich auszeichnet, gegenüber solchen Modellen, die auch aus dem gehobenen Segment stammen, aber spiegellos sind (ich nenne sie mal “Bridgekameras”)?

Aus historischer Sicht wurde diese Technik eingesetzt, um ein mit dem Endbild identisches Sucherbild zu erzeugen. Abgesehen von der unterschiedlichen Perspektive,
die Objektiv und klassisches Guckloch als optischer Sucher schließlich bieten, ist es bei Zoomobjektiven unerlässlich, auch das Bild des optischen Suchers so zu vergößern, dass der Fotograf eine Vorstellung vom eingestellten Bildausschnitt hat.

Nun bieten qualitativ hochwertige Nicht-Spiegel-Kameras der digitalen Zeit aber allesamt entweder die Möglichkeit, über Liveview oder aber einen elektronischen Sucher zum Hindurchgucken ebenfalls den zum Endprodukt identischen Bildausschnitt kontrollieren zu können.

Meine Meinung und Antwort an jenem Samstagabend war daher, dass der Spiegel keinerlei Vorteile zur Bildqualität liefert und sich das DSLR-Produktsegment nur so gebildet hat, da die analogen Topkameras (=Spiegelreflexkameras) auch zu Beginn der digitalen Zeit als Topkameras weiter vermarktet wurden. Sensorgröße, Objektivvielfalt und Vermarktungsschwerpunkte waren in diesem Feld gesetzt. Erst in den letzten paar Jahren wird von dieser Einstellung abgerückt und es gibt immer mehr spiegellose Kameras, die technisch so weit entwickelt sind, dass ihre Bilder den DSLR-Fotos in nichts nachstehen. Dennoch streuben sich die großen Zwei (Canon und Nikon) noch, auch diesen neuen Weg einzuschlagen.

Irgendwie war diese Antwort aber doch etwas unbefriedigend und so habe ich dann noch einmal im Netz nachgelesen, um vielleicht andere Vorteile der Spiegeltechnologie zu finden, die mir noch nicht bekannt waren. Und tatsächlich ist es zum Beispiel so, dass in DSLRs der Sensor nur für die Fotoaufnahme kurz mit Strom versorgt wird, um das Bildsignal abzugreifen. Ohne Spiegel muss der Chip dagegen andauernd mit Strom versorgt werden. Dadurch erhitzt dieser sich, was zu einem erhöhten Rauschen führt. DSLRs haben im Bildrauschen also ein besseres Verhalten gegenüber Bridgekameras.

Abgesehen von der puren Technologie fallen beim Blick in die Produktpalette weitere Unterschiede ins Gewicht, wenn man vor der Entscheidung DSLR vs. Bridgekamera steht. So haben DSLRs in der Regel geringere Einschalt- und Auslöseverzögerungen. Auf der anderen Seite stehen Überlegungen, was das Zubehör und die damit verbundenen Preisaufwände angeht.

Ich selbst hatte übrigens nie eine Bridgekamera. Mein Schritt ging von der unbefriedigenden Kompaktkamera direkt zur DSLR, da es einfach “the thing to do”
war. Ich befürchtete, bei einer Bridgekamera in der Flexibilität und Zubehörpalette zu stark eingeschränkt zu werden. Allerdings denke ich mittlerweile, dass jemand, der sich nicht zu intensiv mit allen technischen Details beschäftigen möchte, auch mit einer Bridgekamera hervorragende Bilder schießen kann, und trotzdem die Möglichkeit hat, weit über die Beschränkungen einer Kompaktkamera hinaus aktiv zu werden.

Wie ist eure Meinung zu Bridgekamera vs. DSLR? Welche Eigenschaften der Spiegeltechnologie möchtet ihr nicht missen, wo seht ihr dagegen keine Vorteile?