Was ich bei einem Blitzworkshop gelernt habe

Am Wochenende war es also so weit: Ich habe bei Stefan Groenveld meinen ersten Blitzworkshop besucht. Es war ein toller Tag und über den Workshop selbst wurde an anderen Stellen bereits treffend berichtet. Lieber möchte ich niederschreiben, was ich von der ganzen Veranstaltung mitgenommen habe.

Kein Blitzkrieg ohne Materialschlacht – um das ganze mal in historisch fragwürdigen Metaphern auszudrücken. Mein Traum von der günstigen und mobilen Allround-Blitzausrüstung ist erst einmal geplatzt. Netterweise hatte Stefan einen Riesenberg an Equipment dabei, den wir gemeinsam erklimmen und ausprobieren konnten. Trotzdem werde ich versuchen, mit wenig Gerät viel Bild zu erreichen. Eine Softbox und ein kleiner Reflektor werden noch dazustoßen, dann möchte ich mich aber auch darauf beschränken. Ich muss nicht gleich für jede Art von Porträt gerüstet sein und werde versuchen, mit dem was ich habe sicher zu werden und gute Porträts reproduzierbar umsetzen zu können.

Das A und O sind Lichtformer. Durch Softbox, Beautydish und Co wird es uns möglich zu bestimmen, ob Licht gerichtet/ungerichtet und hart/weich auf das Motiv fällt. Durch mehr oder weniger teures Gerät versucht man eigentlich nur, diese beiden Charakteristika des Lichts zu beeinflussen.

Was bei einem Porträt funktioniert: Der bekannte Spruch “es gibt kein richtig oder falsch” ist auch am Sonntag oft gefallen. Dennoch möchte man als Workshopteilnehmer ja gerne Best-Practice-Tipps haben, um sich davon ausgehend experimentell weiter zu entwickeln. Was mir sehr geholfen hat, war Stefans Erklärung des Rembrandt-Dreiecks: Bei richtiger Positionierung der Hauptlichtquelle ergibt sich auf der dem Licht abgewandten Gesichtshälfte ein kleines Lichtdreieick, das besonders harmonisch wirkt. Davon ausgehend habe ich online bereits eine tolle Anleitung für ein Studioporträt gefunden. Auch die Faustregel “der Nasenschatten sollte den Mund nicht berühren” werde ich beim nächsten Porträt bewusst beherzigen.

Üben, üben, üben. Auch praktische Fotoaufgaben, die wir zu zweit oder zu dritt lösen sollten, hat Stefan uns am Sonntag gestellt. Die gemeinsame Besprechung in der Runde war Gold wert – und trotzdem kann so ein Berg von Informationen, wie man ihn an einem ganztägigen Workshop bekommt, erst in der Zeit danach wirklich praktisch umgesetzt und verinnerlicht werden. Darauf werde ich mich in nächster Zeit konzentrieren.

Jeder fotografiert anders – und damit meine ich nicht das in Fotografenrunden immer wieder auflodernde Nikon-vs-Canon-Geflame. Zum einen habe ich beim Ausprobieren am Sonntag gemerkt, dass ich mit Blitz, Softbox und Model vor meiner Kamera noch so überfordert bin, dass ich gar nicht mehr an mein grundlegendes Fotowissen denke und spontan alle Bilder überbelichte, bis mich jemand darauf hinweist. Zum anderen war es auch spannend, Stefans Einstellung “ich fotografiere so, wie das Bild am Ende sein soll und daher auch direkt in JPG” kennenzulernen. Für mich ist die digitale Bildbearbeitung von Anfang an Teil der Fotografie gewesen und da ich häufig bei sich schnell änderndem Bühnenlicht fotografiere, kann ich auf RAW keinesfalls verzichten – alleine schon, um den Weißabgleich nachträglich anpassen zu können. Aber so muss halt jeder seinen eigenen Weg finden, der vor allem auch zum konkreten Einsatzbereich passt.

Equipmenttechnisch bin ich nun schon ein wenig desillusioniert, allerdings habe ich auch eine Basis bekommen, von der ausgehend ich meinen eigenen Workflow entwickeln kann. Der Workshop hat definitiv Spaß gemacht – Stefan ist ein sehr angenehmer und unterhaltsamer Workshopleiter, der gut auf “ich rede, ihr hört zu” zu verzichten weiß und uns mit seinem Wissen allen helfen konnte. Zudem habe ich viele nette Leute kennengelernt, die man in Zukunft sicherlich noch das ein oder andere Mal wiedersehen wird.

Vielen Dank an Nadia, mit der zusammen ich vor Ort Fotos gemacht und Equipment ausprobiert habe. Sie war netterweise damit einverstanden, dass ich diesen Post mit meinen Aufnahmen von ihr etwas weniger textlastig gestalten konnte.

Für die Interessierten unter euch: Wie habe ich wohl welches Foto aufgenommen?