Ab zu den Hobbits

Als sich in der 11. Klasse einige Mitschüler verabschiedeten, um ein halbes oder ganzes Jahr in den USA zu verbringen, hätte ich das auch gerne gemacht. Als nach dem Abi jeder zweite um mich herum in die große weite Welt aufbrach, wär ich auch gerne dabei gewesen. Aber irgendwie blieb ich doch immer in Deutschland, ging den Weg durch Schule und Studium erst mal geradewegs durch. Mittlerweile habe ich quasi meinen Bachelor – auf das Zeugnis warte ich noch – und habe immer noch Fernweh. Warum also nicht jetzt die Gelegenheit nutzen? Absolut. Daher haue ich Anfang März für ein halbes Jahr ab ans andere Ende der Welt, nach Wellington in Neuseeland.

Ich werde dort bei einem sympathischen kleinen Software-Startup der vierte Mann im Team sein und hauptsächlich JavaScript/jQuery für das Webfrontend schreiben – im Hintergrund läuft alles mit Python, also habe ich damit hoffentlich auch etwas mehr zu tun.

Wie kommt man an so eine Stelle? Ich nehme mir mal die Arroganz heraus zu behaupten, dass es als junger Informatiker nicht schwierig ist, überall auf der Welt Arbeit zu finden. Man schaut sich etwas um, schreibt ein paar Firmen an und wird dann schon irgendwo genommen. Und dann? Selbst wenn man es alleine schafft, Wohnung, Papierkram und das Einleben vor Ort zu meistern, sitzt man wahrscheinlich in einem Team mit Kollegen, die nicht wie man selbst gerade von der Uni gekommen sind sondern schon ein paar Jahre älter sind und vielleicht schon in einem anderen Lebensabschnitt sind, eventuell Kinder haben. Aber irgendwo muss man ja Anschluss finden, damit man auch was erleben kann und Leute kennenlernt.

Daher mache ich das Praktikum über AIESEC. AIESEC ist eine Studentenorganisation, tatsächlich die weltweit größte mit 50.000 Aktiven (allesamt selbst Studenten) in über 100 Ländern – also quasi überall. Vor einem Dreivierteljahr bin ich selbst AIESEC beigetreten, weil meine Auslandsplanung da schon etwas konkreter wurde. Seitdem habe ich mich im Lokalkomitee Hamburg beteiligt, wo 60 andere Studenten aus allen Studienbereichen und ich dafür sorgen, dass Kontakt zu Firmen aufgenommen wird, Praktikumsstellen in Hamburg gefunden werden, passende Praktikanten aus dem Ausland gefunden werden und ihnen Ankunft und Leben im Hamburg möglichst reibungslos ermöglicht werden. Obwohl ich selbst die ganze Zeit in Deutschland war, habe ich schon so viel Internationalität mit Praktikanten aus Brasilien, Mexiko, Tschechien und mehr erlebt, dass ich noch mehr Bock bekommen habe, selbst ins Ausland zu gehen. Ich sehe, was für einen guten Anschluss unsere Gäste in Hamburg bereits nach wenigen Tagen haben und wünsche mir das gleiche auch für meinen Auslandsaufenthalt. Deshalb AIESEC.

Momentan bin ich fleißig am organisieren, habe mein Zimmer in Hamburg für die Zeit schon vermietet, mir eine Kreditkarte besorgt, Versicherungen abgeschlossen, stehe wegen meines Visums in eifrigem Kontakt mit der Botschaft in Berlin und habe einen Flug reserviert, den ich am Montag final bestätigen werde, so dass es dann am 6. März auf geht ins große Abenteuer. Dabei war Neuseeland nicht mal meine einzige Option. Über die Online-Plattform von AIESEC habe ich Angebote aus den Niederlanden, Spanien, Ungarn, Griechenland, China, Indien und Jordanien bekommen. Am interessantesten hätte ich dabei noch Jordanien gefunden. Ich war schon kurz davor, das Angebot anzunehmen, zögerte aber noch etwas weil die Firma vor Ort eigentlich eine Schweizer Firma war. Da ich Neues sehen und erfahren wollte, wäre ich ungern von deutschsprachigen Kollegen umgeben gewesen. In der Nacht, die ich noch über die Entscheidung schlafen wollte, kam dann das Angebot aus Neuseeland. Auch von der Stellenbeschreibung her war der Job ein ziemliches Traumangebot, so dass ich quasi sofort zugesagt habe. Den Auswahlprozess und ein Skypegespräch mit dem Team (mit 12 Stunden Zeitverschiebung gar nicht so leicht) habe ich dann auch überstanden, so dass letzte Woche die Zusage der Firma kam. Kaum 4 Wochen später hoffe ich dann, vor Ort anfangen zu können.

Ich verbringe das nächste halbe Jahr also am anderen Ende der Welt, werde von der Schönheit des Landes, die wir ja aus den Herr der Ringe filmen kennen, hoffentlich viele Fotos machen und versuchen, viel von meinen Erlebnissen hier in den Blog zu pusten. Da ich diese Zeit auch als Gelegenheit für mich sehe, mein Englisch zu verbessern, werde ich in nächster Zeit auf das Schreiben in Englisch umsteigen. Wer meinen Blog nicht im Feedreader hat und trotzdem nichts verpassen möchte, kann sich bei jedem neuen Eintrag per E-Mail erinnern lassen. Tragt einfach eure Adresse in das folgende Feld ein.

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